Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE KÖNIGSBLAU" richtet sich an Lover und Hater der Knappen. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Nur gucken, nicht anfassen. Vier Minuten und 38 Sekunden Deutscher Meister — dann kam Bayern. Schalke 04 ist der Verein der großen Tragödien: Das Meisterschaftsdrama 2001, der Absturz in die zweite Liga 2021, Tönnies, Assauer, Asamoah. Mit über 160.000 Mitgliedern einer der größten Vereine Europas — und einer, der seine Fans wie kein anderer leidet lässt. Gelsenkirchen ist blau-weiß, egal in welcher Liga.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Königsblau ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte Königsblau ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Der Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V., allgemein bekannt als FC Schalke 04, ist ein 1904 im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke gegründeter Sportverein.
Mit sieben deutschen Meisterschaften (zuletzt 1958), fünf Erfolgen im DFB-Pokal sowie dem Sieg im UEFA-Pokal 1997 zählt er zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der BR Deutschland und belegt den 7. Platz der ewigen Tabelle der Bundesliga (Stand: Dezember 2019).
Mit 158.500 Mitgliedern (Stand: 1. Juli 2019) ist der FC Schalke 04 nach Zahl der Mitglieder der zweitgrößte deutsche Sportverein und der viertgrößte weltweit. Seit August 2001 tragen die Fußballprofis, traditionell als ,,Die Knappen“ oder auch als ,,Die Königsblauen“ bezeichnet, ihre Heimspiele in der Veltins-Arena aus.
Die Veltins-Arena, bis 2005 Arena AufSchalke, bietet 62.171 Zuschauern Platz. Das Multifunktionsstadion mit schließbarem Dach und ausfahrbarem Spielfeldrasen dient auch als Veranstaltungsort für Konzerte, Opernaufführungen und einen regelmäßig stattfindenden Biathlonwettbewerb.

Good to Know
Was wenige wissen
Der Ruhrpott steht für rustikalen Fußball nach Malocherart und Schalke ist das besondere Symbol dieses Malocherfußballs. Erst ackern, dann Hacke, Spitze, Eins-Zwei-Drei. Das ist Unsinn. Es mag stimmen für die Dekade des Schalker Rumpelfußballs in den 80-er Jahren des letzten Jahrtausends oder auch für die Euro-Fighter der 90-er Jahre.
Doch was wenige wissen: es stimmt nicht für die erfolgreichsten Phasen von S04 vor der Einführung der Bundesliga. Zwar ist der Begriff „Schalker Kreisel“ hinlänglich bekannt, doch dass es sich hierbei um ein filigranes Kurzpassspiel, um eine Art frühes Tiki-Taka nach Ruhrpott-Style handelt, welches ganz und gar nicht der „Kick and Rush“ Malocher-Attitüde des Ruhrgebiets entspricht, wird gerne übersehen. Obwohl die Protagonisten des Kreisels dieses immer offen formuliert haben. „Wir haben immer gesagt, der Ball muss laufen. Unser Spiel lief hinterher fast maschinenmäßig - wie eine Uhr“, erklärt Ernst Kuzorra, der mit seinem Schwager Fritz Szepan und der S04 Mannschaft der 30-er und frühen 40-er Jahre die Zuschauer zum Staunen und die Experten zum Schwärmen bringt. Das an das schottische Kurzpass-Spiel (ja genau!!!) angelegte System des FC Schalke 04 aus der größten Ära der Klubhistorie zwischen 1934 und 1942 ist eine fußballerische Innovation und prägt auch die Mannschaft, die die bislang letzte Deutsche Meisterschaft für S04 im Jahr 1958 erringt.
Das Meisterteam - um Bernie Klodt lebt ebenfalls mehr von der Ballzirkulation als von der Maloche kantiger Kerle, wie der Autor Christoph Biermann in seinem Buch „Wenn wir vom Fußball träumen“ zu berichten weiß. „Bergleute, Stahlwerke, das war harte Arbeit, daher kam der Glaube, hier werde auch verbissen und hart gespielt“, erzählt der Meisterspieler Willi Koslowski dem Autor. Doch dem ist nicht so. Und das ist auch in der Tradition des Ruhrgebietsfußballs tief verankert. Denn da gibt es sowohl den „Pöhler“ als auch den „Fummler“. Während in Nordwestdeutschland ein Pöhler Bälle lang und weit nach vorne „pöhlt“ und den Fußballer mit dem härtesten (unkontrollierten) Schuss verkörpert, gilt der Pöhler im Ruhrgebiet als hoch angesehener Straßenfußballer, der durchaus mit allen technischen Fähigkeiten ausgestattet ist, sich aber voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Anders als der „Fummler“, der aus dem (hart und ehrlich arbeitenden) Kicker-Kollektiv heraussticht, aber alseigensinnigerSchönspieler verschrien ist.
Die größte Fußballfeindschaft Deutschlands ist die zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Das ist Allgemeinwissen. Weniger bekannt ist jedoch, dass diese Feindschaft eine relativ neue ist – ohne überragend lange Tradition. Sie besteht jedenfalls nicht vor dem Zweiten Weltkrieg. Dafür gibt es auch keinen Grund. Denn zu unbedeutend ist der BVB und zu dominant S04. Die Geschichte der „Mutter aller Fußballspiele“ im Revier beginnt mit einem 4:2. Der FC Schalke 04 besiegt Borussia Dortmund im Mai 1925 klar und deutlich – und niemand wundert sich. Der BVB krebst zu dieser Zeit in der „Kreisklasse Dortmund-Herne“ herum, Schalke ist der dominierende Westverein und wird neun Jahre später erstmals deutscher Meister.
Auf dem Rückweg von Berlin stoppt die Reichsbahn 35 Kilometer vor Gelsenkirchen. In offenen Autos fahren die Schalker Spieler durch die Dortmunder Innenstadt, werden von einer Menschenmenge umjubelt und tragen sich als erste Fußballmannschaft ins goldene Buch der Stadt Dortmund ein. Man glaubt es nicht, aber: „Es herrschte eine tiefe Sympathie zwischen beiden Vereinen“, so drückt es der ehemalige BVB-Sprecher und spätere Archivar, Gerd Kolbe aus. Tiefe Sympathie? Nicht für immer. Die Wendepunkte im Verhältnis der beiden Vereine markieren die Jahre 1943, 1947 und die 50-er Jahre. Im November 1943 gibt es nach bis dahin reihenweise „Packungen“ den ersten Sieg des BVB über den bislang dominierenden Rivalen, der erste Nationalspieler des BVB namens August Lenz schießt das 1:0-Siegtor. Nach Kriegsende entwickelt sich der BVB endgültig zum ernstzunehmenden Kontrahenten von Schalke 04. Bereits die erste Partie nach Kriegsende kann Borussia Dortmund für sich entscheiden und wird 1947 durch einen 3:2-Erfolg Westfalenmeister. Es folgt die Wachablösung in der Ära der Oberliga West und die beiden deutschen Fußballmeisterschaften des BVB in den Jahren 1956 und 1957. Zwar kontert Schalke 1958 und wird nochmals deutscher Meister, doch nach einer Schwächephase in den 70-er Jahren löst der BVB in der Folgezeit den Revier-Rivalen als Nummer 1 im Pott ab. Drei Pokalsiegen des S04 stehen fünf Meisterschaften und der Gewinn der Champions-League beim BVB gegenüber. Die große Fußballfeindschaft zwischen Blau-Weiss und Schwarz-Gelbentwickelt sich erst in der Bundesliga, gespeist vom gegenseitigen Neid auf die Erfolge des anderen.

Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
0:11 in Mönchengladbach: Die größte fußballerische Peinlichkeit von S04 bildet in der Bundesliga ein 0:11 bei Borussia Mönchengladbach am 7. Januar 1967.
1:6 gegen Real Madrid: In der Veltins-Arena deklassiert Real Madrid 2014 die Schalker in der Champions-League mit 6:1.
1:7 in München: Einen Tiefpunkt der Bundesligahistorie erlebt Schalke im September 1977 im Münchner Olympiastadion. Ein Jahr nach dem 7:0-Triumph beim FC Bayern reist man als Tabellenführer in München an und verliert gegen kriselnde Bayern mit 1:7, obwohl die ab der 28. Minute in Unterzahl spielen müssen. Klassischer Fall von gelungener Revanche.
Vier Minuten im Mai: Kaum ein Meisterfinale hat die Fußball-Bundesliga mehr bewegt als der 34. Spieltag am 19. Mai 2001. Nach einem 5:3 (2:2) -Erfolg in einem vogelwilden Spiel mit 0:2- und 2:3-Rückstand gegen die Spvgg. Unterhaching wähnt sich Schalke nach dem Schlusspfiff als Deutscher Meister. Titel-Konkurrent FC Bayern München liegt beim HSV mit 0:1 zurück. Sergej Barbarez hat für den Hamburger SV in der 90. Minute per Kopf getroffen. Was sich in den folgenden Sekunden abspielt, geht in die Liga-Geschichte ein. „HSV, HSV“ hallt es durch das Parkstadion, wo die Tore zum Innenraum sicherheitshalber geöffnet werden. ,,Sie fallen übereinander her“, kommentiert TV-Reporterlegende Werner Hansch den vermeintlichen Schalker Meisterjubel. Während auf dem Rasen des an diesem Tag ausgemusterten Gelsenkirchener Parkstadions unglaubliche Jubelszenen folgen, schickt Trainer Huub Stevens die Mannschaft aus dem Trubel in die sicheren Kabinen. Draußen aber merken sie, dass die Partie in Hamburg noch läuft. Auf einer Großbildleinwand in der Gästekurve will die Schalker Stadion-Regie die letzten Sekunden aus der Hamburger Arena zeigen. Keine gute Idee. Schalke erlebt seine eigene fußballerische Hinrichtung. Patrik Andersson schießt in der vierten Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich für den FC Bayern beim HSV und macht die Münchner doch noch zum Meister. Damit stürzt Schalke ins Tal der Tränen. Besonders bitter: Premiere-Reporter Rolf ,,Rollo“ Fuhrmann hat in den turbulenten Minuten zuvor die Falschinformation an die Schalker weitergegeben, wonach das Spiel in Hamburg zu Ende sei. Es wird die berühmteste Fake News in der Liga-Geschichte! Nach genau 4:38 Minuten endet die kürzeste Meisterfeier des deutschen Fußballs.
0:2 im ,,Jahrhundert-Derby: Dortmund, 12. Mai 2007. Eine einmalige Konstellation in der Geschichte der Revier-Rivalität zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Die ,,Knappen“ haben die Chance, im Stadion des Erzrivalen Borussia Dortmund Deutscher Meister zu werden. Das wollen die BVB-Stars, die sich erst eine Woche zuvor in Wolfsburg (2:0) aller Abstiegssorgen entledigt haben, nach einer enttäuschenden Spielzeit nicht hinnehmen. ,,Wir wollten die Saison ideologisch retten“, sagt BVB-Stürmer Alexander Frei 2019 in einem Interview – und der Schweizer geht mit gutem Beispiel voran. Er trifft zum 1:0-Pausenstand und reißt den Signal Iduna Park mit. Nach dem 2:0 von Ebi Smolarek ist der Schalker Meistertraum fast schon geplatzt. Verfolger VfB Stuttgart gewinnt im benachbarten Bochum mit 3:2, setzt sich am 33. Spieltag an die Spitze – und wird durch ein 2:1 gegen Energie Cottbus Deutscher Meister. Dortmund hat eine miserable Saison mit dem Derby-Sieg gerettet. Als am 19. Mai 2007 alles entschieden ist, kübeln die Schwarz-Gelben den puren Spott über die Gelsenkirchener aus. Über der Veltins-Arena kreist ein Flugzeug mit einer schwarz-gelben Fahne. Darauf steht: ,,Ein Leben lang, keine Schale in der Hand.“

Klopp verdirbt Schalke den Titel: Im Jahr 2004/05 spielt der 1. FSV Mainz 05 erstmals in der Bundesliga. Der Berufs-Außenseiter aus Rheinhessen sorgt für eine Sensation und stürzt Tabellenführer Schalke am 26. Spieltag von der Pole Position. Die Mannschaft von Trainer-Rookie Jürgen Klopp gewinnt mit 2:1 gegen die hoch favorisierten Königsblauen – durch Tore von Fabian Gerber und Michael Thurk und lässt das enge Bruchweg-Stadion in seinen Grundfesten beben. Schalke stürzt nach blutleerer Vorstellung und nur eine Woche nach dem Sieg im Spitzenspiel gegen den FC Bayern München (1:0) von Platz 1 und wird hinter den Münchnern nur ,,Vize“. Doppelt bitter: In Berlin verlieren die Westdeutschen eine Woche nach Saisonende gegen die Bayern auch das DFB-Pokalfinale 2005 – 1:2!
Untergang in Manchester: Im Champions-League-Achtelfinale 2019 muss Schalke 04 die bis dato höchste Niederlage seiner Europacup-Historie hinnehmen. Beim Star-Ensemble von Manchester City mit dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Pep Guardiola gibt es eine 0:7-Pleite,es kostet Trainer Domenico Tedesco den Job. Das Hinspiel in der Arena hat Schalke nach 2:1-Führung nur mit 2:3 verloren.
1:8 beim FC Bayern – Toni im Torhagel! Europameister Harald ,,Toni“ Schumacher auf Schalke – eine einzige Peinlichkeit. Nach seinem ,,Aus“ in Köln und im Nationalteam plant der Keeper bei den ,,Knappen“ einen Neuanfang in der Bundesliga – und geht unter. Am 9. April 1988 kassiert der FC Schalke 04 mit Schumacher im Tor die dritthöchste Niederlage seiner Bundesliga-Geschichte – 1:8 im Münchner Olympiastadion beim FC Bayern!
Das Geld: Schon beim ersten Abstieg 1980/81 schreibt Schalke tiefrote sportliche Zahlen. Das vorentscheidende 0:6 gegen Nachbar VfL Bochum (9. Mai 1981) ist die höchste Heimniederlage in der Bundesliga, es trägt wesentlich zum Gegentorrekord (88) in jener Saison bei.
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
Schalke 04 wird bis zur Saison 2019/20 sieben Mal Deutscher Meister und zwar in den Spielzeiten 57/58, 41/42, 39/40, 38/39, 36/37, 34/35 und 33/34. Die „Knappen“ schaffen fünf Pokalsiege - in den Spielzeiten 10/11, 01/02, 00/01, 1971/72 und 1937. Dazu wird man 2011/12 auch Supercup-Sieger.
UEFA Cup Sieger 1997: Der größte Erfolg in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gelingt dem FC Schalke 04 unter Trainer Huub Stevens in der Saison 1996/97. Die ,,Knappen“ gewinnen im Elfmeter-Krimi gegen Inter Mailand (4:2, 0:1 n. V., Hinspiel: 1:0) den UEFA-Pokal. Auf dem Weg in die Final-Spiele schalten sie die spanischen Klubs CD Teneriffa und FC Valencia sowie den FC Brügge aus Belgien, Trabzonspor aus der Türkei und in Runde 1 den zu diesem Zeitpunkt noch von Huub Stevens trainierten niederländischen Vertreter Roda Kerkrade aus.
DFB Pokalsieg und Vizemeister: Die größten nationalen Erfolge im ersten Jahrzehnt nach Einführung der Bundesliga sind der DFB-Pokalsieg – 5:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern im Finale von Hannover – und die Vizemeisterschaft in der Bundesliga-Saison 1971/72. Erst ein 1:5 beim FC Bayern München im direkten Duell Erster gegen Zweiter am letzten Spieltag kostet im neuen Olympiastadion in München die erste mögliche Schalker Meisterschaft in der Bundesliga.
Das legendäre 4:0 beim BVB: Die Bundesliga erwartet am 23. September 2000 mit Spannung die Rückkehr von Weltmeister Andreas Möller vom FC Schalke 04 nach Dortmund. Mit dem BVB ist der Regisseur von Sieg - zu Sieg geeilt, nun wird er von den Fans der Schwarz-Gelben gnadenlos ausgepfiffen. Am Ende steht Möller als Triumphator da: Schalke gewinnt mit 4:0 (2:0) durch Tore von Jörg Böhme (39., Elfmeter), Emile Mpenza (45.), Ebbe Sand (76.) und ein Eigentor des Dortmunders Jörg Heinrich (60.) sensationell hoch mit 4:0. ,,BVB 04″, so macht BILD am Montag darauf die Dortmunder Demütigung perfekt. Schalke wirft den Erzrivalen später auch aus dem DFB-Pokal (2:1), allerdings im heimischen Parkstadion.
4:4 nach 0:4: Die grandioseste Aufholjagd seiner Bundesligageschichte gelingt Schalke 04 ausgerechnet beim Erzrivalen Borussia Dortmund. Am 25. November 2017 liegen die „Knappen“ bis zur 61. Minute mit 0:4 hinten, geben jedoch nicht auf. Nach einer emotionalen Halbzeitansprache von Trainer Domenico Tedesco zerreißen sie sich für ihre Farben und kommen dank Treffern von Guido Burgstaller, Amine Harit, Daniel Caligiuri und Abwehrchef Naldo (94. Minute!) noch zum 4:4-Ausgleich. Das 91. Bundesligaduell der Rivalen gilt fortan als „Derby des Jahrhunderts“.

Jens Lehmanns Computer-Trick: Mailand, Giuseppe-Meazza-Stadion, 21. Mai 1997. Der FC Schalke 04 erlebt im Final-Rückspiel des UEFA-Cups die größte Stunde seiner jüngeren Vereinsgeschichte. Der chilenische Stürmerstar Ivan Zamorano erzwingt für Inter Mailand fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nach dem 1:0 im Schalker Hinspiel (Tor: Marc Wilmots) für die Gastgeber die Verlängerung. Diese bleibt torlos, im letzten UEFA-Cup-Finale mit dem Modus ,,Hin- und Rückspiel“ muss das Elfmeterschießen her. Im Elfer-Krimi hat Torwart Jens Lehmann offenbar die besseren Informationen. Der Torhüter, der zu diesem vergleichsweisen frühen Zeitpunkt auf eine Computer-Datei mit dem Verhalten von Elfer-Schützen zurückgreifen kann, die sein Trainer Huub Stevens führt, liegt gegen Zamorano richtig. Aron Winter steht nicht in der Datei, also setzt Lehmann auf einen Psychotrick. Er baut sich vor dem Niederländer auf und sagt ihm, dass er in der Mitte stehen bleiben werde „um ihn zu zwingen, in eine Ecke zu schießen“. Das macht Winter auch, aber zu genau – er setzt den Ball rechts neben das Tor. Auf Schalker Seite verwandeln mit Ingo Anderbrügge, Olaf Thon, Martin Max und Wilmots alle vier Schützen – 4:2 im Elfmeterschießen, ,,Es ist der schönste Erfolg meiner Karriere, weil er sehr emotional war und mich in neue Fußballsphären gehoben hat“, verrät Lehmann zum 20. Jahrestag des Erfolges der ,,Euro-Fighter“ in einem Kurzinterview,das auf der Homepage des Deutschen Fußballmuseums publiziert wird.Huub Stevens – auch das ein Moment für die Ewigkeit – notiert vor dem Jubel mit Co-Trainer Hubert Neu noch den abschließenden Elfmeter-Treffer des Belgiers Wilmots. Erst dann feiert ,,der Knurrer von Kerkrade“ mit, Ordnung muss sein…
Die letzte Meisterschaft: Gelsenkirchen, 19. Mai 1958. Die Arbeiterstadt im Ruhrgebiet erwartet ihre Meister-Helden. Mit 3:0 haben sich Bernhard ,,Bernie“ Klodt und Co. in Hannover gegen den Hamburger SV im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1958 durchgesetzt. Eskortiert von berittener Polizei präsentieren die Schalker ihren euphorisierten Fans in einem offenen Auto die Meisterschale. Manfred Orzessek – Helmut Sadlowski, Günter Brocker – Otto Laszig – Günter Karnhof, Karl Borutta – Heiner Kördell, Manfred Kreuz – Günter Siebert, Willi Koslowski, Berni Klodt – das ist über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren die letzte Meister-Mannschaft des FC Schalke 04!
7:0 beim FC Bayern, 1976! Die Saison 1976/77 ist mit Platz zwei hinter Borussia Mönchengladbach und 77 erzielten Treffern eine der besten Spielzeiten des FC Schalke 04 in der Bundesliga. Gekrönt wird sie mit dem höchsten Erfolg von Schalke in der deutschen Eliteliga. 7:0 gewinnen die ,,Knappen“ unter Trainer Friedel Rausch am 9. Oktober 1976 beim FC Bayern München. Allein S04-Rekord-Torjäger Klaus Fischer verewigt sich viermal auf der Anzeigentafel des Olympiastadions. Erwin Kremers, Manfred Dubski und Rüdiger ,,Abi“ Abramczik erzielen die übrigen Treffer. Anschließend beschert Schalke dem ,,Kaiser“, Franz Beckenbauer, die Höchststrafe. Mit den ,,Leuten, die uns gerade richtig hergespielt haben“, gemeint sind die Schalker, muss das Münchner Fußball-Idol ins gleiche Flugzeug steigen. Am Abend hat er mit den Schalke-Spielern Klaus Fischer und Erwin Kremers noch einen gemeinsamen Termin in der Gruga-Halle in Essen. Und das nach Bayerns noch immer höchster Niederlage in der Bundesliga…
Das Wunder von Mailand: Die Häme der mitgereisten Schalker Fans im Mailänder Fußballtempel Giuseppe-Meazza-Stadion ist groß. ,,Seht Ihr, Bayern, so wird das gemacht“, verhöhnen die königsblauen Anhänger den verachteten FC Bayern München, der im Champions-League-Achtelfinale 2010/11 nach 1:0-Sieg in Italien noch mit 2:3 an den Mailändern gescheitert ist. In den vorangegangenen 90 Minuten hat Schalke 04 den Titelverteidiger Inter Mailand auseinandergenommen. Mit 5:2 (2:2) stürmen die von Ralf Rangnick trainierten „Knappen“ die Mailänder Scala des Fußballs und erreichen nach 2:1 im Rückspiel erstmals in ihrer Klub-Historie ein Champions-League-Halbfinale.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
Jahrhundertspiel zum Geburtstag:Einen Tag nach seinem 18. Geburtstag macht der spätere Weltmeister Olaf Thon bereits das Spiel seines Lebens. Es ist der 2. Mai 1984. Beim völlig verrückten 6:6 nach Verlängerung im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München geht der Stern für eines der größten Scha…
,,Mister Fallrückzieher“:Der Rekord-Torjäger des FC Schalke 04 (182 Treffer in 295 Spielen) ist mit der Gesamttorzahl von 268 Buden, die er außerdem für 1860 München, den 1. FC Köln und den VfL Bochum macht, hinter Bayern-Bomber Gerd Müller (365 Tore) der erfolgreichste Schütze der Bundesliga-Geschi…
Der ,,Jahrhundert-Trainer“Als No-Name-Trainer 1996 vom niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade als Nachfolger für Jörg Berger geholt, wird der knorrige Hubertus Jozef Margaretha Stevens zum Trainer-Idol auf Schalke. In seiner ersten Saison bei den ,,Knappen“ gelingt Stevens mit dem Gewinn des UE…
Der Super-Torhüter, der zum „falschen“ Klub wechselt:Aus der Nordkurve auf den Fußball-Gipfel – Manuel Neuer, geboren 1988 in Gelsenkirchen-Buer, lebt den Traum Tausender Schalker Fußballfans. Er löst mit gerade einmal 20 Jahren den bisherigen S04-Stammkeeper Frank Rost ab, rettet Schalke 2008 im CL…
1950 tritt der gelernte Bäcker Karl-Heinz Neumann dem FC Schalke 04 bei:Von diesem Zeitpunkt an arbeitet er fast ununterbrochen für den Klub. Anfangs bringt er als Bäcker-Lehrling Brötchen zu Ernst Kuzorra, der Schalke-Ikone aus den dreißiger Jahren. Neumann ist auch Gastronom und bewirtschaftet unt…
1990) - ,,Clemens, der Bergmann“:Kein anderer Spieler steht mehr für die Schalker Erfolgsjahre zwischen 1933 und 1942. Ernst Kuzorra, selbst noch bis Mitte der 1920-er Jahre in der Zeche Consolidation unter Tage tätig, nährt den Mythos vom kickenden Bergarbeiter und lässt gemeinsam mit seinem Schwag…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
Gott vergibt, Schalke nie!:Nicht wenige Schalker Anhänger geben dem Schiedsrichter aus 1. FC Kaiserslautern die Schuld daran, dass ,,ihr“ S04 am Ende des Meisterschaftsfinales 2001 nur als ,,Meister der Herzen“ dasteht. Ihrer Meinung nach hat Merk im so wichtigen Parallelspiel Hamburger SV – FC Baye…
Der unnahbare Gottkaiser:Ex-Nationalspieler Felix Magath hat viele Bundesliga-Vereine trainiert. Seinen Herzensklub Hamburger SV, die Münchner Bayern, Werder Bremen. Die Frankfurter Eintracht und den VfB Stuttgart rettet er 2000 beziehungsweise 2001 vor dem Abstieg, den VfL Wolfsburg macht er 2009 z…
Assauers Lieblingsfeind:Leverkusens Stürmerstar Ulf Kirsten ist der erfolgreichste Torjäger der 90-er Jahre – und ein personifizierter Schalke-Schreck. In 18 Bundesliga-Spielen gegen die Blauen trifft ,,Der Schwatte“ zehnmal. Und einmal teilt er aus. Am 6. Dezember 1997, beim 0:0 in Leverkusen, leis…
Der Proll vom BVB:„Macht se einfach weg“, schreibt der ehemalige Dortmunder in einem Post im April 2019. „Ein Jahr kann man schon mal auf die Schalker verzichten.“ Und fährt auf Instagram fort: „Männer, stopft Ihnen am Samstag den Mund.“… „Ich kann die große Klappe im Internet nicht mehr hören. Über…

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Rudi Assauer - Macho mit Herz:Rudolf „Rudi“ Assauer absolviert zwischen 1964 und 1976 307 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund (nicht für Schalke 04) und Werder Bremen. Nach wenig erfolgreichen Versuchen als Trainer wird er nach seiner Karriere als Fußball-Profi zunächst Manager bei Werder Bremen und beim VfB Oldenburg, bevor er schließlich beim FC Schalke 04 anheuert und dort zwei Mal Manager ist. Seine zweite Amtszeit markiert eine Hochphase des Vereins. Sie beginnt am 1. April 1993 und S04 gewinnt 1997 den UEFA-Cup, sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal. Am 17. Mai 2006 tritt Assauer als Manager zurück. Der Aufsichtsrat hat ihm einstimmig das Vertrauen entzogen. Einer Abschiebung auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden stimmt Assauer nicht zu. Sie kommt nicht zustande. Was wenige wissen: Assauer bleibt trotz seines Engagements bei Schalke 04 Borussia Dortmund als Vereinsmitglied treu. 2010 wird er für seine 40-jährige Mitgliedschaft vom BVB geehrt. 2012 erscheint die Autobiografie von Assauer, in der auch seine Alzheimer-Erkrankung thematisiert wird. Rudi Assauer stirbt am 6. Februar 2019 an den Folgen der Krankheit25.
Bernd Tönnies - Der große Bruder:Bernd Tönnies wird am 7. Februar 1994 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum neuen Präsidenten des FC Schalke 04 gewählt. Da ist er 41 Jahre alt, geschäftlich sehr erfolgreich, aber gesundheitlich aufgrund eines Herzinfarktes bereits „angeschlagen“. Vor der Wahl muss die Vereinssatzung von S04 geändert werden, weil Tönnies noch keine zwölf Monate Mitglied des Vereins ist. Bernd Tönnies stirbt am 1. Juli 1994 an den Folgen einer Lungeninfektion nach einer Nierentransplantation. Mit 42 Jahren. Tönnies ist ein „Vollblut-Unternehmer“. Mit 16 Jahren verlässt er den elterlichen Bauernhof, ein Jahr darauf gründet er seine erste Firma, einen Zerlegebetrieb für Schweine. 25 Jahre später ist Tönnies zum "Kotelett-Kaiser" in Westfalen aufgestiegen, dessen Firmenimperium Fleischfabriken von den Niederlanden bis Russland umfasst. Jürgen Möllemann ist Duzfreund und Förderer des Aufsteigers. Möllemann sorgt Anfang Februar 1994 auch dafür, dass Tönnies Präsident bei Schalke 04 wird. Bernd Tönnies ersetzt den vom SPIEGEL als Finanzjongleur entlarvten Günter Eichberg, rettet und saniert S04. Der abstiegsbedrohte Verein bleibt 1994 in der Bundesliga. Drei Jahre später ist er Sieger im UEFA Cup.Übrigens: Bernd Tönnies ist der ältere Bruder des im Dezember 2019 (noch oder weiterhin) amtierenden S04 Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.
Stan Libuda - Stan the Man:Reinhard „Stan“ Libuda ist eine Legende im Ruhrpott, eine Art deutscher Garrincha. Und das sowohl bei Schalke 04 als auch bei Borussia Dortmund. Seine Karriere beginnt der Rechtsaußen in der Jugend von Gelsenkirchen, ehe er 1961 in den Profikader aufsteigt und zum Schalker Publikumsliebling avanciert. 1965 wechselt Libuda zum Erzrivalen nach Dortmund. Dort schießt er mit der berühmtesten Bogenlampe des deutschen Fußballs den BVB 1966 zum Europapokal der Pokalsieger. Zwei Jahre später geht er wieder zurück zu Schalke 04 und führt die Knappen als Kapitän 1972 zum DFB-Pokalsieg. 1970/71 macht er den Fehler seines Lebens. Libuda und seine Schalker Teamkollegen lassen sich im Sog des Bundesliga-Bestechungsskandals kaufen! Der Super-Techniker wird zunächst auf Lebenszeit gesperrt und dann 1973, nach einem Jahr im Exil bei Racing Straßburg, begnadigt. Die Zeit nach dem Fußball verläuft für Libuda weniger glücklich. Lange Zeit, vor allem nach der Trennung von seiner Ehefrau, lebt er zurückgezogen in Gelsenkirchen-Haverkamp. Da er am Anfang seiner Karriere seine Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen hat, findet er keine Arbeit, bevor er mit Hilfe von Rolf Rüssmann einen Job bei der Thomas-Gruppe, einer Papierveredlungsfirma in Haverkamp, bekommt. Einige Jahre betreibt er danach den von Ernst Kuzorra übernommenen Tabakladen auf der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke, er übergibt diesen später an Heinz van Haaren. Wegen einer schweren Erkrankung an Kehlkopfkrebs lässt sich Libuda 1992 operieren. Er stirbt 1996 mit 63 Jahren an einem Schlaganfall – viel zu früh. Er ist der erste Spieler der Mannschaft aus dem WM-Jahrhundertspiel von 1970 (Deutschland vs. Italien 3:4), der verstirbt. Die Beisetzung findet auf dem Ostfriedhof von Gelsenkirchen statt. Zu Stan Libuda gibt es eine Reihe von Anekdoten, amüsante und traurige, die es wert sind, kurz erzählt zu werden.
Libuda ist einer der ganz wenigen Spieler, die zwischen den rivalisierenden Klubs Schalke 04 und Borussia Dortmund hin- und hergewechselt sind und von beide Fangruppen trotzdem verehrt werden.
Der Spitzname „Stan“ ist dem legendären englischen Rechtsaußen Stan Matthews nachempfunden. Die Dribbelstärke Libudas ist bis heute legendär. Als in den 1960-er Jahren der Prediger Werner Heukelbach im Ruhrgebiet eine Veranstaltungsreihe durch Plakate mit der Aufschrift „An Jesus kommt keiner vorbei“ bewirbt, schreiben Fans unter die Plakate den Zusatz „… außer ‚Stan‘ Libuda.“26

Im Laufe der Jahre entwickelt sich daraus der Spruch „Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda“, was einer Frühform der Chuck Norris Facts gleichkommt. Der Spruch ist auch Untertitel eines Musicals über den FC Schalke 04.
1970, während der Weltmeisterschaft in Mexiko, sagt Bulgariens Trainer, nachdem seine Verteidiger an dem hakenschlagenden Libuda gescheitert sind: „Diesen Mann kann man nur mit einer Flinte erlegen.“
2003 entdeckt ein Fan einen Schreibfehler auf dem Grabstein von Reinhard Libuda. Reinhard steht dort mit „ai“ statt mit „ei“ geschrieben. Der Fan meldet sich beim FC Schalke 04; der damalige Manager Rudi Assauer verspricht, einen neuen Grabstein in Auftrag zu geben. Aber erst 2004 wird der Grabstein auf Initiative und nach Protestaktionen eines weiteren Libuda-Fans geändert.
Die Zufahrtsstraße westlich der Veltins-Arena in Gelsenkirchen trägt den Namen „Stan-Libuda-Weg“.
OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Vereinnahmt, missbraucht, instrumentalisiert, gekauft – Der FC Schalke 04 im Strom der Zeit. Die Popularität des Arbeiterklubs aus Gelsenkirchen ist schon früh ein ebenso hohes wie gefährdetes Gut. Die unbedarften Schalker geraten in der NS-Zeit – und auch im Jahr 2001 – in die Mühlen von Politik, Propaganda und Funktionärs-Irrsinn!
Schalke 04 und die Nazis: Gefährliches Spiel – die erfolgreichsten Jahre des FC Schalke 04 fallen in die Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen 1934 und 1942 steht die Mannschaft jedes Jahr mindestens im Meisterschafts- oder Pokalfinale und erwirbt sich eine riesige und bis heute ungebrochene Popularität in ganz Deutschland. Die Erfolge der Mannschaft um Ernst Kuzorra und Fritz Szepan werden von den totalitären Machthabern in Deutschland ideologisch ausgeschlachtet. Die Spieler werden instrumentalisiert oder sie lassen sich bewusst einspannen. Ganz eindeutig lässt sich dieses nicht mehr klären. Aber: Die Meisterschaftsendspiele und der Kampf- und Teamgeist der Spieler werden propagandistisch in den Vordergrund gestellt.Im Oktober 1937 wird die Meistermannschaft anlässlich der Geburtstagsfeier von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten vom Führer empfangen, Kapitän Szepan schüttelt Adolf Hitler die Hand.Obwohl in den ersten Kriegsjahren die Spieler noch vom Frontdienst für Spiele freigestellt werden, kann nach 1942 nicht mehr von einem normalen Spielbetrieb die Rede sein. Die Schalker Elf macht stattdessen mehrmals Reisen durch besetzte Länder zur „Truppenbetreuung“, gespielt wird dabei gegen Soldatenmannschaften. Die Schalker Spieler Hermann Eppenhoff, Rudolf Gellesch und Otto Tibulski gehören – u. a. neben dem deutschen Fußball-Idol Fritz Walter (1920 – 2002) im Jahr 1942 auch zu den Kickern, die im Spielfilm “Das große Spiel” mitwirken. Darin laufen auch UFA-Stars wie Gustav Knuth, René Deltgen und Heinz Engelmann (Haie und kleine Fische) auf.
Schalke und der Bundesliga-Skandal - schmutziges Spiel: Im Jahr 1971 ist der FC Schalke 04 in den Bundesliga-Skandal verwickelt. Gegen Bestechungsgelder hat die Mannschaft das Spiel gegen Arminia Bielefeld am 3.4.1971 absichtlich 0:1 verloren. Zahlreiche S04-Profis, auch die Nationalspieler Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Reinhard Libuda und Rolf Rüssmann landen auf der Anklagebank – und kassieren teilweise empfindliche Sperren. Außerdem beteiligt sind Hans-Jürgen Wittkamp, Herbert Lütkebohmert, Manfred Pohlschmidt, Hans Pirkner, Jürgen Sobieray, Dieter Burdenski, Klaus Senger, Jürgen Galbierz und Heinz van Haaren. Sie alle haben gegen Arminia Bielefeld gegen relativ geringe Bezahlung und - wie es Klaus Fischer in dem Buch "Ata, Ennatz, Susi, Yyyves" von Kai Griepenkerl im Jahr 2012 erklärt - als „Gefallen für Waldemar Slomiany (einem von Schalke zu Arminia Bielefeld gewechselten Spieler)“ absichtlich verloren. Schöner Freundschaftsdienst! ,,Wer die Rädelsführer auf Schalker Seite sind, bleibt unklar“, heißt es dazu im Buch 100 Schalker Jahre – 100 Schalker Geschichten von Gerd Voss (Klartext-Verlag, 2004), ,,dass die Vereinsführung in die Schmiergeldzahlungen eingeweiht war, darf vermutet werden.“ Im April 1972 beeiden 14 Schalke-Spieler, nichts von einem verschobenen Spiel gegen Bielefeld gewusst zu haben. ,,Da es Meineide waren, stehen über 10 Jahre Zuchthaus auf dem Spiel“, fürchtet die WAZ. ,,Es ist eine von vielen Schalker Verzweiflungskationen“, schreibt Gerd Voss. Mit der Aufhebung der meisten Schalker Sperren durch den DFB im Januar 1974 ist die Sache nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft Essen erhebt im April gleichen Jahres Anklage gegen Schalker Spieler und Funktionäre wegen Meineids. Der Prozess-Marathon beschäftigt bis Ende 1977 die Gerichte. Jahre später meint Klaus Fischer, der sich über Jahrzehnte nicht zum Skandal geäußert hat: „Mein Gott, was waren wir damals dumm. Für 2.300 Mark pro Mann ein Spiel zu verlieren, blöder kann man nicht sein. Eine Siegprämie betrug damals 2.000 Mark.“
Champions League an 9/11: Unwürdiges Spiel. 11. September 2001, der Tag, der die Welt verändert. Terror-Anschläge auf die USA fordern mehr als 3.000 Todesopfer. An Fußball ist eigentlich nicht zu denken. Die UEFA handelt jedoch nach dem Motto ,,The show must go on“ und lässt den angesetzten Champions-League-Spieltag vonstattengehen. Schalke 04 muss zuhause gegen Panathinaikos Athen (0:2) spielen. Das erste Champions-League-Match der Klubgeschichte wird zur Farce. Schalke-Coach Huub Stevens erinnert sich später in seiner Autobiographie „Niemals aufgeben” an diesen schicksalhaften Tag. ,,Ich dachte zunächst, es würde sich um einen Science-Fiction-Film handeln“, schreibt der Niederländer, ,,der Ober erklärte uns, dass das kein Film sei, sondern die Wirklichkeit, ein Anschlag auf die Twin Towers in New York. Die Spieler versammelten sich alle vor dem Fernseher und die Stimmung rutschte sofort in den Keller. (…) Rudi Assauer meldete sich umgehend bei der UEFA und bat darum, das Spiel abzusagen. Denn wie wollte man in dieser Situation an Fußball denken? Erstaunlicher Weise sah das die UEFA anders. (…) Ich nehme an, dass der UEFA das Ausmaß der Anschläge noch nicht bewusst war, sonst hätte sie alle Spiele abgesagt.“
Schalke auf der Leinwand? Albernes Spiel! Deutschland, deine Fußball-Filme – nicht immer ein Oscar-reifes Vergnügen! Das gilt auch für “Fußball ist unser Leben” von Tomy Wigand aus dem Jahr 2000. Der Film thematisiert das Leben und das Leiden von ,,Hans Pollack“ alias Uwe Ochsenknecht und seiner Fan-Kollegen mit und für den FC Schalke 04. Rudi Assauer, Huub Stevens, Kult-Betreuer Charly Neumann sowie die S04-Spieler Yves Eigenrauch, Olaf Thon und Mike Büskens versuchen, schauspielerisch zu glänzen. Die Stadion-Szenen stammen aus den Heimspielen – damals noch im Parkstadion – gegen Eintracht Frankfurt (2:3) und den 1. FC Kaiserslautern (0:2) aus der Saison 1998/99. Heraus kommt, wie Prisma Online befindet, ,,noch ’ne „Proleten“-Komödie mit dramatischen Zügen. Die Perücke von Uwe Ochsenknecht ist genau so hingebastelt wie viele nervige Details der Story.“

Das zweite Begräbnis des Ernst Kuzorra: Ein Possenspiel. Das gibt es wohl nur auf Schalke! Am Neujahrstag 1990 trauert ,,Königsblau“ um einen seiner größten Spieler. Ernst Kuzorra ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Jener Kuzorra, der so einzigartige Weisheiten hinterlassen hat wie: ,,Da lauf ich mit dem Ball nach vorne und hab nich‘ gewusst, wohin damit. Da hab ich ihn reingewichst.“ Die Beisetzung findet auf dem Friedhof Rosenhügel statt, Pfarrer Hans-Joachim Dohm hält die Trauerrede, gut 1.000 Menschen nehmen Abschied. Denken alle! Nur Schalke-Präsident, der Klinik-Besitzer Günter Eichberg (,,Professor Brinkmann“ / † 2018), der eigens seinen Urlaub auf den Bahamas unterbrochen hat, kommt drei Stunden zu spät und schafft es nur noch zum Leichenschmaus. Schalke-Betreuer Charly Neumann lässt deshalb die Kranzniederlegung am Grab Kuzorras in kleiner Runde einfach wiederholen. BILD schreibt tags darauf: ,,Das gibt es nur bei Königsblau – Kuzorra zweimal beerdigt!“
Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Der FC Schalke 04 als ,,Meister der Herzen“, das ist an allen Fußball-Stammtischen ein Selbstgänger. Doch hier kommen Fun Facts der besonderen Art – Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs.
Der erste ,,Double“-Sieger: Der FC Schalke 04 holt 1937 als erster Klub in Fußball-Deutschland das ,,Double“ aus Meisterschaft und Pokalsieg, damals noch Tschammer-Pokal. Das Pokalfinale gegen Fortuna Düsseldorf wird aus Termingründen aber erst im Januar 1938 ausgetragen.
Zweimal gegen die Wiener: Dem FC Schalke 04 gelingt ein einmaliges Kunststück. In der Zeit des Dritten Reichs, während des Zweiten Weltkriegs, gewinnen die Gelsenkirchener als einziger Klub zweimal die Meisterschaft gegen ein Team aus Wien – 1939 mit einem unglaublichen 9:0 gegen Admira und 1942 mit 2:0 gegen First Vienna.
,,FC Meineid“: So schmähen gegnerische Fans, insbesondere in Dortmund, den siebenfachen Meister bis heute ob der Verwicklung des Klubs in den großen Bundesligaskandal.
Thon gibt die Binde ab: 295-mal hat Olaf Thon für den FC Schalke 04 in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt. 2008 wird er in die ,,Hall of Fame“ der Gelsenkirchener aufgenommen. Gut so, denn nur ein Jahr später, 2009, verkrachen sich Ehrenspielführer Thon, der seine ,,Erfahrung und Kompetenz“ auf Schalke nicht ausreichend gewürdigt sieht, und der Revierklub. Vorübergehend...

Die ,,Knappen“ sind fast immer knapp: Kein Verein in Deutschland hat sich jemals so verschuldet wie der FC Schalke 04 (Stand: Dezember 2019). Für den Bau der Arena AufSchalke nimmt der Verein ab 1998 rund 285 Millionen Euro auf, laut Geschäftsbericht vom 30. Juni 2012 liegen die Verbindlichkeiten kurz vor dem 50. Jubiläum der Bundesliga im Sommer 2013 immer noch bei 173,1 Millionen Euro.
18 statt 16: Schalke ist wesentlich dafür verantwortlich, dass die Bundesliga heute mit 18 Vereinen spielt. Anfangs sind es nämlich nur 16 Klubs und 1965 ist Schalke ebenso wie der Karlsruher SC sportlich abgestiegen. Da werden Finanzmauscheleien von Hertha BSC publik, die zum Zwangsabstieg der Berliner führen. Bis sich der DFB einigt, wer den freiwerdenden Platz bekommen darf, vergehen zwei Monate. Dann beschließt der DFB auf dem Bundestag in Barsinghausen mit 95:29 Stimmen, nicht nur Tasmania Berlin in die Bundesliga aufzunehmen, um der Metropole den Erstligafußball zu erhalten, sondern auch den Abstieg auszusetzen. Die Idee hat der Ministerial-Rat Fritz Klein aus Arnsberg, der plötzlich bei KSC- und Schalke-Fans sehr beliebt ist. Fortan spielt die Bundesliga, ausgenommen 1991/92 nach der Aufnahme der DDR-Klubs, mit 18 Mannschaften.
Ein Kultklub, drei Stadien: Der FC Schalke 04 ist neben dem FC Bayern München der einzige Klub, der in der Bundesliga seine Heimspiele in drei verschiedenen Stadien ausgetragen hat (Stand: Dezember 2019). Der Glückauf-Kampfbahn folgt 1973 das Parkstadion, welches 2001 von der Arena AufSchalke abgelöst wird.
Die meisten Saisontore: Klaus Fischer in der Spielzeit 1975/76 und Klaas-Jan Huntelaar 2011/12 gelingen jeweils 29 Toren. Das bedeutet in beiden Fällen natürlich die ,,Torjägerkanone“ als bester Schütze der Bundesliga.
Special Moments
Special: Fun Facts zum Derby Schalke 04 gegen Borussia Dortmund
Elf Fun Facts zur Mutter aller Derbies in Deutschland: Schalke vs. Dortmund, chronologisch geordnet:
(1) Das Derby am 3. Mai 1925: Schalke 04 schlägt Borussia Dortmund 4:2
Das Derby am 03. Mai 1925 gilt gemeinhin als die Geburtsstunde des Schalker Kreisels. In der Ruhrgaumeisterschaft der Kreisligen schlägt S04 den BVB mit 4:2. „Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann“. Schreibt der Dortmunder Generalanzeiger über das Spiel der Schalker. Ernst Kuzorra, 19 Jahre alt, schießt zwei Tore für Schalke.
(2) Der höchste Sieg von S04 am 20.10.1940: Schalke 04 - Borussia Dortmund 10:0
In der Gauliga Westfalen „schreddert“ S04 den BVB mit 10:0. Ernst Kuzorra schießt vier Tore in der ersten Halbzeit. Nur 3.000 Zuschauer sehen den Schalker Sieg in der Glückauf-Kampfbahn
(3) Das erste Bundesliga-Derby am 07.09.1963: Schalke 04 - Borussia Dortmund 3:1
Reinhold Wosab erzielt in der sechsten Minute das erste Bundesligator in einem Derby von Schalke 04 und Borussia Dortmund - für den BVB. Doch Schalke ist an diesem Tag stärker und trifft noch drei-mal – innerhalb von 14 Minuten.
(4) Das Derby ohne Sicht am 12.11.1966: Borussia Dortmund - Schalke 04 6:2

„Immer, wenn der Ball in den Nebel geschossen wurde, bin ich hinterhergelaufen. Das war anstrengend, aber okay“, berichtet Schiedsrichter Gerd Henning nach dem Spiel. Warum er das Spiel angepfiffen hat, sagt er nicht. Im Stadion Rote Erde sehen 38.000 Zuschauer praktisch nichts von diesem. Die Spieler sehen nicht viel mehr. „Wir mussten uns gegenseitig über den Spielstand informieren“, sagt Schalkes Klaus Fichtel. Die Dortmunder machen das besser. Die Königsblauen verlieren mit 2:6, drei Tore erzielt Lothar Emmerich. Der bemerkt süffisant: „Wenn wir etwas gesehen hätten, hätten wir noch höher gewonnen.“
(5) Der Hundebiss vom 06.09.1969: Borussia Dortmund - Schalke 04 1:1
Friedel Rausch liegt auf dem Rasen, der A… ist entblößt, es tut weh. Schäferhund "Rex" hat zugebissen. Der Grund: Hunderte Schalker Fans haben im Jubel über das 1:0 durch Hansi Pirkner den Platz gestürmt. Das findet der Dortmunder Stadionhund bedrohlich und beißt zu. Rausch lässt sich eine Tetanus-Spritze geben und spielt weiter. Sein Mitspieler Gerd Neuser muss nach einem Biss in den Oberschenkel ausgewechselt werden.
(6) Klaus Fichtels Abschied vom 22.04.1986: Borussia Dortmund - Schalke 04 1:1
Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
Special Moments - Bei Anruf Schalke-Trainer: So kommt Huub Stevens zu „Königsblau“27
Es ist ein merkwürdiger Tag auf Schalke. Eigentlich ist es am 5. Oktober 1996 ein ganz normales Bundesliga-Spiel gegen den Karlsruher SC (0:1). Aber: Es herrscht Totenstille. Keine Anfeuerungsrufe, kein Trompeter, der in der Nordkurve des Gelsenkirchener Parkstadions zur berühmten „Attacke“ bläst. Nur 27.860 Fans verlieren sich in der WM-Arena von 1974. Eigentlich sind fast ausschließlich die wenigen mitgereisten Karlsruher Zuschauer zu hören. Gespenstisch. Das hat Gründe.Unter der riesigen Anzeigentafel in der Schalker Fankurve ist der Grund für den Stimmungsboykott auf zehn Papptafeln abzulesen. J-Ö-R-G B-E-R-G-E-R. Der populäre Trainer ist nach einem 2:3 im DFB-Pokal gegen den Revier-Rivalen VfL Bochum vom Präsidium der „Königsblauen“ entlassen worden. Auf der Trainerbank, besser auf dem Schleudersitz der Schalker, wo seit dem Wiederaufstieg 1991 mit Aleksandar Ristic, Udo Lattek, Helmut Schulte und Jörg Berger nun wirklich keine Nichtskönner gesessen haben, nimmt Co-Trainer Hubert Neu an diesem Samstag Platz.
Berger, so sagt man, soll sich mit dem Team heillos zerstritten haben. Zuvor hat der 2010 verstorbene Fußballlehrer den leck geschlagenen Traditionsklub von Rang 18 im Oktober 1993 erst vor dem Abstieg gerettet und dann in der Saison 1995/96 nach 18 Jahren Abstinenz wieder in den UEFA-Cup geführt. Es ist gerade fünf Monate her, dass Schalke mit einem 2:1 gegen den FC Bayern München nach Europa gerauscht ist. Bergers Kredit ist im Oktober 1996 trotzdem aufgebraucht. Er kann nur vier Pflichtspielsiege vorweisen. Einen davon in Runde 1 des UEFA-Cups gegen den niederländischen Klub Roda Kerkrade (3:0).Was niemand ahnt: Bei Kerkrade, der Mannschaft aus Süd-Limburg, sitzt Bergers Nachfolger auf der Trainerbank. Vier Tage nach dem Trauer-Spiel gegen den KSC wird ein Mann auf Schalke auftauchen, der mit seiner kantigen, aber geradlinigen Art beim Traditionsklub vieles zum Besseren verändern wird. Sein Name ist bis dahin nur Kennern der niederländischen Fußballszene bekannt. Es ist Hubertus Jozef Margaretha, genannt Huub Stevens. Er ist als Spieler mit der PSV Eindhoven drei-mal niederländischer Meister und einmal UEFA-Cup-Sieger geworden, hat 18-mal für die „Elftal“ gespielt.
Die Verpflichtung des No-Name-Trainers aus Holland scheint aus dem Nichts zu kommen. Eine neuerliche Hauruck-Aktion des 2019 verstorbenen Schalke-Machers Rudi Assauer? Seit 1. April 1993 ist „Assi“, das Alpha-Tier, einer der letzten Cowboys der Bundesliga, ein passionierter Zigarren-Raucher und Frauenschwarm mit Macho-Attitüde, wieder Manager auf Schalke. Der Mann, der sich den königblauen Klub zur Lebensaufgabe gemacht hat („Entweder ich schaffe Schalke – oder Schalke schafft mich“), kann sich in dieser brisanten Situation keinen Fehlschuss erlauben.Assauer weiß genau, was er tut. Er handelt strategisch, nicht instinktiv. Huub Stevens ist ihm schon viel früher aufgefallen, als allgemein angenommen wird. Im Sommer 1995 trägt Schalke ein Freundschaftsspiel-Turnier bei dem seit 1993 von Huub Stevens betreuten Eredivisie-Klub Roda Kerkrade aus. Mit dabei sind neben Roda und Schalke auch Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. Der Niederländer wundert sich. „Vor einem Spiel ging ein Mann in kurzen Hosen und mit Zigarre im Mund über den Platz, einfach zwischen den Spielern hindurch“, erinnert sich Stevens 2017 in seiner Autobiographie „ich habe noch gedacht: Was ist denn das für einer?“
Stevens findet heraus, dass sich Assauer über ihn informiert und Erkundigungen über ihn eingeholt hat. In der Sauna, so weiß der Niederländer, soll Assauer die Idee gehabt haben, ihn als Trainer zu verpflichten. Und das, obwohl Stevens sich im Rückspiel in Kerkrade (2:2) mit Schalkes Betreuer-Unikum „Charly“ Neumann eine handfeste Rangelei liefert.Nachdem sich Schalke von Berger getrennt hat, scheint Stevens‘ langjähriger Assistenztrainer Eddy Achterberg hellseherische Fähigkeiten zu beweisen. „Dann wirst du neuer Schalke-Trainer“, prophezeit er seinem Chef beim Abendessen. Stevens blickt mit seinen dunklen, durchdringenden Augen auf: „Mach keine Witze, Eddy.“
Zwei Tage später hört Stevens den Anrufbeantworter auf seinem Auto-Telefon ab – und vernimmt eine kurze, aber klar formulierte Nachricht. ,,Assauer. Wenn du Lust hast, Trainer auf Schalke zu werden, dann ruf mich doch bitte unter dieser Nummer an.“Stevens ruft zurück. Er macht Assauer aber auch klar, dass er einen Vertrag bei Roda Kerkrade hat, den er eventuell verlängern will. „Damit hat das nichts zu tun“, kontert Assauer gewohnt einsilbig. Er will den Wechsel unter der Decke halten. Viel Zeit bleibt nicht. Die BILD-Reporter, die täglich auf dem Trainingsgelände herumlungern, werden nicht mehr lange brauchen, bis sie Lunte riechen. Es muss also schnell gehen. Die Verpflichtung von Huub Stevens wird eine echte Assauer-Aktion.
Er bestellt den Niederländer an einem Sonntagmorgen zu einem Treffen nahe einer Autobahn im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. „Wir haben uns unterhalten und er teilte mir mit, dass er mich für zwei Jahre verpflichten möchte“, sagt Stevens, „das mit meinem Vertrag mit Roda würde er regeln.“ Er „regelt“ es mit einer Million Gulden Ablöse – umgerechnet 453.000 €. Stevens erhält auf Schalke die Chance seines Lebens. Der Start geht mit einem 0:3 bei Werder Bremen aber komplett daneben.An Alphatieren mangelt es beim FC Schalke 04 dieser Tage nicht. Torhüter Jens Lehmann, der mächtige Mannschaftskapitän Olaf Thon, Mike Büskens oder Youri Mulder – Stevens muss alle wieder zu einer echten Einheit zusammenschweißen. Er tut dies mit viel Disziplin, aber auch mit menschlicher Nähe. Stevens kennt jedes Detail, sogar alle Kindergeburtstage innerhalb der Mannschaft, ist immer Ansprechpartner für seine Spieler. Er lebt den kollektiven Gedanken. Star-Rummel ist ihm ein Gräuel. Und er sorgt für defensive Stabilität. „Die Null muss stehen“ – mit diesem Spruch aus der Pressekonferenz vor dem Viertelfinal-Hinspiel im UEFA-Cup beim FC Valencia, der zum geflügelten Wort wird, bringt Stevens es auf den Punkt. Mit einem 3-5-2-System, das er der Mannschaft nach dem 1:3 in Köln und vor dem Rückspiel bei Trabzonspor in der 2. Runde des UEFA-Cup (3:3 / Hinspiel: 1:0) einimpft, schafft Stevens auf Schalke die Wende. Ab dem 6. Dezember 1996 bleibt S04 in acht Pflichtspielen in Folge ohne Gegentor.
„Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon, wir schlugen Brügge sowieso, Valencia, Teneriffa, Inter Mailand – das war `ne Show“, werden die Schalker Fans am Ende beseelt singen. Über diese Stationen erreicht der FC Schalke 04 1997 mit Huub Stevens die Finalspiele im UEFA-Cup. „Diese Mannschaft wird in den Geschichtsbüchern auftauchen“, ist Olaf Thon schon nach dem Weiterkommen gegen Brügge Anfang Dezember sicher.
Sie wird als „Die Eurofighter“ für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte stehen und den Gefühlsfriedhof Parkstadion des Oktobers 1996 in den Spielen gegen Valencia (2:0), CD Teneriffa (2:0 n. V.) und im Final-Hinspiel gegen Inter Mailand (1:0) zum Beben bringen. Im Rückspiel in San Siro greift Stevens nach 0:1 nach Verlängerung im Elfmeterschießen zu einem Trick. „Ich habe dem Torwart Jens Lehmann noch einen Zettel zugesteckt, auf dem stand, wie Inter schießen würde“, verrät er 2017, „in meinem Computer fanden sich Daten über alle Elfmeter, die ich seit meiner Zeit als Jugendkoordinator bei der PSV erfasst hatte. Ich habe Notizen gemacht über den Anlauf, das Schussbein, wohin der Schütze schoss, aber auch wann und bei welchem Spielstand der Elfmeter geschossen wird.“